Entdeckungen XVIII

Entdeckungen XVIII, 13.-14. Oktober 2017, Halle, Stadtmuseum Halle

Kurator: Prof. Dr. Matthias Henke (Universität Siegen)

„Dazwischen“ — Jüdisches Leben nach dem Ersten Weltkrieg

Kurt Weill Studium Generale XVIII

Weitere Informationen finden Sie auf der Seite des Kurt Weill Zentrums.

Die ENTDECKUNGEN sind eine Veranstaltungsreihe des KURT WEILL ZENTRUMs im Vorfeld des KURT WEILL FESTes. Als Studium Generale richten sie sich an alle interessierten Menschen, die mithilfe Kurt Weills mehr über die Musik und die Zeit des faszinierenden Komponisten, also die 1920er, 30er und 40er Jahre in Berlin, Paris und New York erfahren wollen.

Die regelmäßigen Veranstaltungen werden von Prof. Matthias Henke mit seinen Kolleginnen und Kollegen so unterhaltsam und allgemeinverständlich umgesetzt, dass immer mehr Menschen immer mehr erfahren möchten — ob es sich nun um Musik, Architektur, Philosophie, Politik oder Literatur handelt. Abgerundet werden die Veranstaltungstage mit thematisch passenden Konzerten junger Musiker.

Kurt Weill

wurde am 2. März 1900 in Dessau geboren und starb am 3. April 1950 in New York. Von den Nazis verfolgt, floh er von Berlin über Paris nach New York, und wurde von einem der erfolgreichsten Komponisten Deutschlands zu einem der erfolgreichsten Komponisten am legendären Broadway. Seinen großen künstlerischen Anspruch verband er stets mit dem Wunsch, ein großes Publikum zu erreichen.

Zu seinen bekanntesten Werken gehören u.a. „Die Dreigroschenoper“, „One Touch of Venus“ oder „Lady in the Dark“. Viele seiner Stücke sind inzwischen Teil des American Songbook und wurden von Louis Armstrong bis hin zu den Doors oder Robbie Williams gecovert.

„Dazwischen“ — Jüdisches Leben nach dem Ersten Weltkrieg

Wie in den letzten Jahren so verstehen sich auch die ENTDECKUNGEN XVIII, eingebunden in die Jüdischen Kulturtage Halle, als Brückenkopfveranstaltung zum folgenden Kurt Weill Fest. 2018 liegt einer von dessen Schwerpunkten bei der Novembergruppe, jenem vor 100 Jahren etablierten Künstlerkreis, der demokratisches Selbstverständnis mit einer sozial orientierten Kunst verbinden wollte.

Dass gerade jüdische Persönlichkeiten den Aufbruch ins Neue initiierten und förderten, sollen einmal mehr die ENTDECKUNGEN zeigen. So bieten sie spannende Portraits entsprechender Akteure. Der von Matthias Henke gestaltete Auftakt gilt der aus Leipzig stammenden Musikmäzenin Emmy Rubensohn, in deren Kasseler Haus der junge Ernst Krenek seine Oper Jonny komponierte, einen der größten Theatererfolge der Weimarer Republik. Bevor sie 1939 über Schanghai nach New York floh, übernahm sie die Leitung des Jüdischen Kulturbundes Kassel. Die entsprechenden Archivalien wurden erst kürzlich in New York aufgefunden: Dominik Feldmann stellt sie vor. Hannah M. Kluge geht den Verbindungen von Leo Kestenberg, dem Reformator des schulischen Musikunterrichts, und seinen Beziehungen zu dem Berliner Galeristen Paul Cassirer nach, während Reinke Schwinning sich Ernst Bloch und dessen 1918 erschienenen, Aufsehen erregenden Schrift „Geist der Utopie“ widmet, die vom Morgenrot der neuen Zeit kündete.

Joachim Lucchesi, einer der besten Kenner des Werkes von Hermann Scherchen, eröffnet den zweiten Tag. Er beleuchtet eine noch wenig beachtete Exkursion, die der bedeutende Uraufführungsdirigent 1939 nach Palästina unternommen hat – mit dem Ziel, das dortige Palestine Orchestre aufbauen zu helfen, das jüdischen MusikerInnen eine Art beruflicher Heimstatt bot. Der nächste Vortrag widmet sich Ernst Toller. Weil er der kurzlebigen Münchener Räterepublik angehörte, musste Ernst Toller fünf Jahre Festungshaft verbüßen. Danach konnte er als Dramatiker beachtliche Erfolge verbuchen. Dieter Distl, sein Biograf, führt in die Korrespondenz des Dichters ein, deren Gesamtausgabe 2018 im Wallstein Verlag erscheint. Schließlich präsentiert Andreas Zeising das Leben und Schaffen von Max Osborn, des Kunstkritikers der renommierten Vossischen Zeitung, der wie alle der hier Portraitierten das Schicksal des Exils ertragen musste.

Das Rahmenprogramm ist perfekt auf die Vorträge abgestimmt. Am ersten Abend führt der Hausherr Thomas Bauer-Friedrich höchstpersönlich durch die Sammlung „Moderne 1“ des Kunstmuseums Moritzburg; am zweiten Abend stellen die vom Deutschen Musikrat geförderten Interpretinnen Julia Spies und Laura Schwind mit Arnold Schönbergs „Buch der hängen Gärten“ ein Schlüsselwerk der Moderne vor.

Prof. Matthias Henke

Kurator der ENTDECKUNGEN

Programm

Freitag 13. Oktober 2017

14.30 Uhr
Begrüßung: Jane Unger, Direktorin des Stadtmuseums Halle
Grußwort: Dr. Judith Marquardt, Beigeordnete für Kultur und Sport der Stadt Halle (Saale)

14.45 Uhr
Eröffnungsvortrag, Prof. Dr. Matthias Henke (Universität Siegen): Kassel, Schanghai, New York — die Musikmäzenin Emmy Rubensohn

16.00 Uhr
Podium junger Wissenschaftler*innen

Dominik Feldmann (Universität Siegen): Emmy Rubensohn und der Jüdische Kulturbund Kassel

Hannah M. Kluge (Universität Kassel): „…der Kunst neue Wege weisen“ – Leo Kestenberg und seine Vision musikalischer Menschenbildung

Reinke Schwinning (Universität Siegen): Ernst Bloch und „Geist der Utopie“ (1918)

Moderation: Prof. Dr. Matthias Henke (Universität Siegen)

19.00 Uhr
Führung durch die Sammlung „Moderne 1“ des Kunstmuseums Moritzburg, Dr. Thomas Bauer-Friedrich, Direktor des Kunstmuseums Moritzburg Halle

Treffpunkt: Kunstmuseum Moritzburg, Friedemann-Bach-Platz 5, 06108 Halle

Samstag 14. Oktober 2017

10.30 Uhr
Vortrag Prof. Dr. Joachim Lucchesi (Karlsruhe): „Palästina war über alle Maßen großartig“ – Hermann Scherchen und das Palestine Orchestra

11.30 Uhr
Vortrag Dr. Dieter Distl (Ernst Toller Gesellschaft, Neuburg): Ernst Toller (1893-1939) – Ein Leben in Briefen

15.00 Uhr
Vortrag PD Dr. Andreas Zeising (Universität Siegen): Ein bekannter Unbekannter. Der jüdische Kunstschriftsteller Max Osborn (1870–1946)                 

16.00 Uhr
Roundtable mit allen Referent*innen, Moderation: Matthias Henke

17.00 Uhr
Kleine Abendführung zum Kunstmuseum Moritzburg Halle, Cornelia Zimmermann (Stellv. Direktorin des Stadtmuseums Halle, Vorsitzende des Freundeskreises Leopold-Zunz-Zentrum e.V.: „Mission MODERNE“ — Jüdische Warenhäuser in Halle

Treffpunkt: Marktplatz Halle/ Händeldenkmal

18.00 Uhr
Konzert im Kunstmuseum Moritzburg Halle
Duo L’aura serena: Julia Spies (Mezzosopran), Laura Schwind (Klavier)
Arnold Schönberg: Buch der hängenden Gärten op. 15 und Lieder von Felix Mendelssohn Bartholdy

 

Das KURT WEILL ZENTRUM informiert Sie gerne über das KURT WEILL STUDIUM GENERALE und die ENTDECKUNGEN XVIII.

Alle Informationen zum KURT WEILL FEST finden Sie unter www.kurt-weill-fest.de

DIE REFERENTEN

  1. Prof. Dr. Matthias Henke ist Musikwissenschaftler, seit 2008 an der Universität Siegen, seit 2013 hat er eine Forschungsgastprofessor an der Donau-Universität Krems, des Weiteren ist er aktiv im Wissenschaftlicher Beirat der Kurt-Weill-Gesellschaft e.V. Dessau, der Ernst Krenek Institut Privatstiftung und im Vorstand der Eduard Erdmann Gesellschaft Langballigau. Seine Forschungsinteressen umfassen die Themenfelder „Musik und Literatur“, „Musik und Medien“ sowie die Musik des 20. und 21. Jahrhunderts. Zu seinen aktuellen Projekten zählen die Edition eines Bandes über die Beziehungen zwischen Thomas Mann und Ernst Krenek („Schönheit und Verfall“, Klostermann Verlag), eine Publikation über die Geschichte der Fernsehoper sowie die Einrichtung eines digitalen Werkverzeichnisses des österreichischen Komponisten Friedrich Cerha.

 

  1. Dominik Feldmann studierte an der Universität Siegen Lehramt mit den Fächern Musik und Sozialwissenschaften und schloss das Studium im August 2017 ab. Im Anschluss daran studiert Feldmann außerdem Philosophie und Geschichte und promoviert in Politischer Bildung.

 

  1. Hannah Milena Kluge studierte Germanistik, Philosophie, Psychologie und Musik in Marburg und Kassel. Sie schloss ihr Studium 2012 mit dem Ersten Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien ab. Seit 2013 ist sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Musik der Universität Kassel und promoviert bei Prof. Dr. Frauke Heß in der Historischen Musikpädagogik zu „Leo Kestenbergs musikalischen Bildungsvorstellungen im Spiegel zeitgenössischer Diskurse“.

 

  1. Reinke Schwinning studierte Schulmusik und Philosophie. Im Jahr 2013 schloss er sein Studium mit dem ersten Staatsexamen für Lehrämter an Gymnasien und Gesamtschulen ab. Seit 2014 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Prof. Dr. Matthias Henke (Lehrstuhl für historische Musikwissenschaften, Universität Siegen), unter dessen Betreuung er an einer Dissertation über das musikbezogene Schaffen und Wirken des deutschen Philosophen Ernst Bloch arbeitet.

 

  1. Prof. Dr. Joachim Lucchesi ist Musikwissenschaftler mit Schwerpunkt im Zeitraum vom 17. bis zum 21. Jahrhundert, die Sozial- und Rezeptionsgeschichte der Musik, musikalische Interpretationsgeschichte, Medien- und Technikgeschichte der Musik, Musikästhetik, Musikphilosophie, Geschichte der Musiktherapie sowie Theater- und Literaturgeschichte.

 

  1. Dr. Andreas Zeising ist Kunsthistoriker. Er promovierte 2001 mit einer Arbeit über den Kunstkritiker Karl Scheffler. Anschließend absolvierte er 2001-03 ein Volontariat am Museum Kunstpalast in Düsseldorf. Er war Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lehrbeauftragter an Hochschulen in Wuppertal, Düsseldorf und Dortmund und vertrat 2014 die Professur für Kunstgeschichte an der Hochschule für Künste in Bremen. Seit 2010 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter im Department Kunst und Musik der Universität Siegen, wo er u.a. zum Thema Radiokunstgeschichte forscht.